Leitartikel 2022

Liebe friedliebende Menschen in und um Bündheim

dieser Tage mehr denn je, denn wir sehnen uns für die ukrainischen Menschen und somit auch für unseren ganzen Kontinent so sehr nach dem lieben, edlen und teuren Frieden. Diesen „Schwerpunkt“ habe ich mir wahrlich für dieses Geleitwort nicht ausgesucht, sondern vom Zeitgeschehen „diktiert“ bekommen. Aber ich kann daran nicht vorbeigehen, so gerne ich es auch wollte, um lieber über dieses oder jenes in solchen Eröffnungsseiten nachzudenken. So hatten wir uns die Zeit „nach Corona“ gewiss nicht vorgestellt (obwohl sie ja wohl noch längst nicht vorbei ist), dass es jetzt nur rund 1500km Luftlinie entfernt von Deutschland nicht weniger tödlich und lebensbedrohlich als beim Virusgeschehen bei uns weitergeht und wir von einer Krise in die nächste kommen. Wenn das eine militärische Spezialoperation sein soll, dann möchte ich niemals erfahren, wie Russland Krieg führt. Wie trefflich dazu gerade eines seiner sarkastischen Worte von Woody Allen: Ich habe einen Kurs im Schnelllesen gemacht und bin in der Lage, „Krieg und Frieden“ in zwanzig Minuten durchzulesen. Es handelt von Russland. Was muß (aber derzeit) in (diesen) einen „Bösewicht“ gefahren sein, der „ohne Not“ dermaßen brutal Krieg gegen die Zivilbevölkerung, gegen deren Lebensräume, Kulturgebäude und das ganze Land führt, um all das im benachbarten Brudervolk in Schutt und Asche zu legen und dort verbrannte Erde hinterlässt. Wie verrückt kann man sein und sich selbst dabei als Friedens(ver)brecher vor der ganzen zivilisiert-friedliebenden Welt unmöglich machen, um mit einem rohen Machtgebaren seinen Ruf und Namen für die Zukunft mit Schimpf und Schande zu behaften, wenn die Geschichte (und Den Haag) einmal darüber geurteilt haben wird. Aber jetzt müssen Unzählige auf beiden Seiten wegen dieser Bösartigkeit sterben, leiden und flüchten und die Klage der tiefen Betroffenheit von Matthias Claudius kommt uns in den Sinn: ’s ist Krieg! ’s ist Krieg! O Gottes Engel wehre, und rede du darein! ’s ist leider Krieg – und ich begehre nicht schuld daran zu sein! Schuld sind wir persönlich nicht, aber leider Gottes in vielfacher Weise v.a. auch wirtschaftlich ganz tief verstrickt in diese Geschehnisse und finanzieren mittels der Rohstofflieferungen aus Russland den Wahnsinn zu einem großen Teil mit! Und schon richten sich aus dem Kreml mindestens verbal die Waffen der übelsten Kategorien auf uns in Mittel- und Westeuropa und lassen einen zivilisatorischen Untergang undenkbaren Ausmaßes am Horizont fürchterlich möglich erscheinen. In der Art, wie es Einstein einmal in seinen Satz verpackte: Ich weiß nicht, welche Waffen im nächsten Krieg zur Anwendung kommen, wohl aber, welche im übernächsten: Pfeil und Bogen. Wie sind wir da so schnell hingekommen, die wir uns doch so lange vor solchen Auswüchsen und Machenschaften sicher wähnten? Und die Möglichkeiten, dem friedensdienlich/friedensstiftend entgegenzutreten sind von der Weltgemeinschaft und anderen politischen Organen absolut schwach und unwirksam und lassen uns noch ohnmächtiger dagegen fühlen. Wir fühlten uns durch die Nachkriegsordnung und v.a. durch den Wegfall des eisernen Vorhangs immer relativ friedenssicher, denn Frieden bildete ja in unseren Breiten eine jahrzehntelange (Ausnahme-)Gewohnheit und ein Krieg hier in solch einem barbarischen Ausmaß wurde unvorstellbar. Jetzt aber gibt es keine wichtigere Agenda als den Versuch, Frieden zurückzugewinnen. Viel zu kurz gedacht, wenn wir dies allein auf die politischen Möglichkeiten bei denen da oben beschränkten. Denn bei Krieg oder Frieden stecken wir alle tief mit(ten) drin, wie es eine östliche Weisheit besagt: Kein Friede in der Welt ohne Frieden unter den Völkern, kein Friede unter den Völkern ohne Frieden in der Familie, kein Friede in der Familie ohne Frieden in mir, kein Frieden in mir ohne Frieden mit Gott. Für einen wirklich dauerhaften Frieden auf allen Ebenen kommt es auf Jede/n im Einzelnen und Innersten an. Die Erhaltung des Friedens beginnt damit, dass der einzelne Mensch friedliebend und zufrieden ist. Wollen wir in Frieden leben, muss der Friede aus uns selbst kommen. Rousseau Wer mit sich selbst in Frieden lebt, kommt nicht in die Versuchung, anderen den Krieg zu erklären! WIR müssen die positive Veränderung sein, die wir in der Welt sehen wollen. Es gibt nichts in der Welt, das darum so wertvoll wäre wie der Herzens- und Seelenfrieden. Sind wir aber diese Art von Friedensstiftern, die Jesus bekanntlich selig spricht und also für diese Welt an seiner Seite und unter seiner Regie herbeiwünscht? Jörg Zink hat mal etwas über die Voraussetzungen dazu gesagt: Wenn du etwas für den Frieden tun willst, dann darfst du nicht siegen wollen. Solange du siegen willst, befindest du dich in einem Krieg und willst gewinnen. Wer noch siegen will, stiftet keinen Frieden. Wie verlaufen demnach unsere Begegnungen, Wortwechsel, Diskussionen und Zusammenkünfte? Wer Frieden halten will, der lässt möglichst keine Verlierer entstehen! Wie lebt man eigentlich so, dass möglichst wenig Ärger entsteht? Dietrich Bonhoeffer wußte dazu sogar noch mehr zu sagen und führt uns für jede belastbare Friedensgewinnung in seinen Worten ganz nah an Gott heran: „Friede muss gewagt werden, ist das eine große Wagnis, und lässt sich nie und nimmer sichern. Friede ist das Gegenteil von Sicherung. Sicherheiten fordern heißt misstrauen haben, und dieses Misstrauen gebiert wiederum Krieg. Sicherheiten suchen heißt sich selber schützen wollen. Friede heißt sich gänzlich ausliefern dem Gebot Gottes, keine Sicherung wollen, sondern in Glaube und Gehorsam dem allmächtigen Gott die Geschichte der Völker in die Hand legen und nicht selbstsüchtig über sie verfügen wollen.“ Kämpfe werden nicht mit Waffen gewonnen, sondern mit Gott. Sie werden auch dort noch gewonnen, wo der Weg ans Kreuz führt. Wer von uns darf denn sagen, dass er wüsste, was es für die Welt bedeuten könnte, wenn ein Volk – statt mit der Waffe in der Hand – betend und wehrlos und darum gerade bewaffnet mit der allein guten Wehr und Waffe den Angreifer empfinge? Und eh man Bonhoeffer völlige Weltfremdheit attestieren möchte, gäbe ihm beispielsweise Peter Härtling mit seinen wunderschönen Worten Rückenstärkung, es für den Frieden auf die sanfte Tour und von innen heraus zu versuchen (denken wir dabei auch immer wieder gerne an die Revolution der Kerzen 1989): Wenn jeder eine Blume pflanzte, jeder Mensch auf dieser Welt, und, anstatt zu schießen, tanzte und mit Lächeln zahlte statt mit Geld – wenn ein jeder einen andern wärmte, keiner mehr von seiner Stärke schwärmte, keiner mehr den andern schlüge, keiner sich verstrickte in der Lüge, wenn die Alten wie die Kinder würden, sie sich teilten in den Bürden, wenn dies WENN sich leben ließ, wär’s noch lang kein Paradies – bloß die Menschenzeit hätt angefangen, die in Streit und Krieg uns beinah ist vergangen. So weiß es jedenfalls die Präambel der UNESCO (1945) für alle künftige Zeit festzuhalten: Da Kriege in den Seelen von Menschen ihren Ursprung haben, muss auch die Verteidigung des Friedens in der Seele des Menschen entstehen. Jetzt jedenfalls, wo uns in unmittelbarer Nähe der Frieden abhanden kam, gehen wir wieder ernsthaft auf die Suche, wie wir in den Frieden „ziehen“ könnten! Und besinnen uns hoffentlich dafür wieder sehr ernsthaft auf unsere christlichen Wurzeln, denn der Bericht über drei kurze Jahre des aktiven Lebens Jesu hat mehr für die Erneuerung und den Frieden der Menschheit bewirkt als alle Abhandlungen der Philosophen und alle Ermahnungen der Moralisten. Bei unserem Gott kann man hinreichend und überfließend Frieden finden und bekommen, wenn wir ihn uns so zu Bewusstsein kommen lassen, wie er in Jesus zu uns kam: Friede ist für mich eins sein mit Gott. Christus ist Gottes Friede… Ich habe ihm mein Leben gegeben und gesehen: Je mehr ich an ihn glaube, desto mehr verstehe ich – er ist der Friede. Immer wenn du Liebe an andere weitergibst, wirst du den Frieden spüren, der zu dir kommt und zu ihnen. Mutter Teresa Und dafür wäre auch diese Grundlagenbildung zum weitestgehenden und tiefstreichenden Frieden wieder zu gewinnen, wie sie uns (der „verpasste“ Friedensnobelpreisträger) Gandhi in Erinnerung bringt: Ihr Christen habt in eurer Obhut ein Dokument mit genug Dynamit in sich, die gesamte Zivilisation in Stücke zu blasen, die Welt auf den Kopf zu stellen, dieser kriegszerrissenen Welt Frieden zu bringen. Aber ihr geht damit so um, als ob es bloß ein Stück guter Literatur wäre, sonst weiter nichts. Wie wahr, in der Bibel werden wir von Gott an die Hand genommen, um geistlich in den Frieden hineinzuwachsen, den die Welt schmerzlich sucht, aber sich selbst nicht geben kann – in den Frieden Gottes, der höher ist als unsere Vernunft. Er möge unter uns wachsen und sich ausbreiten, um so von oben nach unten und von innen nach außen schließlich auch diese dramatischen Hotspots des Unfriedens und der Kriege zu erreichen. Gerade auch in diesen Spätfrühlings und Sommertagen wünsche ich uns und Gottes weiter Welt den Sommer seiner Gnad (Paul Gerhard) und viel Friede von Herzen und überdies den Shalom unseres Gottes

herzlichst Ihr/ Euer

Dirk Westphal

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